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Chronik der Feuerwehr Deudesfeld 1906-1988

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(entnommen aus der Festschrift anläßlich des Kreisfeuerwehrtages am 21.August 1988)

Feuerschutz und Brandbekämpfung in der "guten alten Zeit"

Es fällt uns heute sicher schwer, ja es ist fast unmöglich, sich vorzustellen, wie die Menschen unserer Heimat vor 100 oder sogar 200 Jahren lebten. Vor 100 Jahren gab es weder Auto, Telefon, Radio oder sogar Fernsehen, ja in unseren Gemeinden gab es noch nicht einmal eine Wasserleitung. Das benötigte Wasser musste vom Brunnen geholt werden und abends erleuchtete die Petroleumlampe in Haus und Stall die Dunkelheit.

Warum die Schilderung der Lebensverhältnisse von vor 200 oder vielleicht nur vor 100 Jahren? Oft war nämlich das offene Licht oder die Petroleumleuchte, in der das Glas zerbrochen war, Auslöser mancher Feuersbrunst. Zum Löschen konnte dann nicht die Wasserleitung über einen Hydranten benutzt werden, oft musste das Wasser vom Brandweiher oder aber, wenn ein solcher nicht vorhanden war, von weit her in einer Eimerkette herbeigeschleppt werden

Heute sind solche Lebensverhältnisse und die eingeschränkten Möglichkeiten der Brandbekämpfung nicht mehr vorstellbar. Doch lassen Sie uns zurückblättern in eine Zeit vor 200 Jahren, in der das kleine Dorf Deudesfeld, im sogenannten "Hinterbüsch" gelegen, zum kurtrierischen Amt Manderscheid gehörte. Um den Brandschutz und die Feuersicherheit war es wohl schlecht bestellt. Immer wieder wurden ganze Dörfer durch Brände eingeäschert. War dies verwunderlich, bei der damaligen Bauweise? Fachwerk, Holzbauweise und Strohdächer kennzeichneten nicht nur die Dörfer der Eifel und es nützte auch nicht viel, dass der Kurfürst verboten hatte, die Häuser nicht zu nahe aneinander zu bauen. Am 27.11.1783 erließ der Kurfürst erstmals eine umfassende Brandverhütungsordnung mit 3 Schwerpunkten:

1.Mit Feuer und Licht sollte sorgfältiger umgegangen werden,
2.die Beschaffenheit der Häuser und Feuerstätten und
3.die Löscheinrichtungen sollten verbessert werden.

So schrieb die kurfürstliche Verordnung vor, dass Häuser in Stein zu errichten und die Dächer mit Ziegeln oder Schiefer zu bekleiden seien. Auch die Schornsteine sollten möglichst weit von Holzteilen entfernt angebracht werden und den Gemeindevorständen wurde aufgetragen, 4 mal jährlich die Schornsteine zu besichtigen.Viele Schadensfeuer waren auf die Sorglosigkeit beim Umgang mit offenem Licht zurückzufahren. Beim Dreschen oder Strohschneiden passierte es häufig, dass ein Funke aus der Tabakspfeife Stroh und Scheune in Flammen setzte. Auch bei Arbeiten in den Wäldern durften nur Pfeifen mit Deckeln geraucht werden. Vielfach wurden Feuer auch durch Blitzschlag ausgelöst. Die kurfürstlichen Beamten, die das Anziehen des Blitzes durch das Glockengeläut für möglich hielten, erließen deshalb am 11.07.1783 folgende Verordnung:

Ferner untersagte der Kurfürst am 17.03.1787 das Anzünden von Fastnachts-, Johannis- und Martinsfeuer, weil diese scheinbar Auslöser mancher Brände waren. Wer sich dennoch nicht an diese Anweisungen hielt, musste damit rechnen, 14 Tage lang Frondienste auf den Landstraßen leisten zu müssen. In der kurfürstlichen Verordnung vom 31.07.1786 wurden die Ortsvorsteher aufgefordert, zuverlässige Personen zu bestimmen, die bei einem Brand die Löschgerätschaften herbeischaffen und zu bedienen hatten, also ein Vorgänger unserer heutigen Feuerwehren. Bei einem Brand war jeder männliche Gemeindebürger mit Frau und Kindern ab dem 10. Lebensjahr verpflichtet, bei den Löscharbeiten zu helfen und auch die Bewohner der Nachbargemeinden wurden aufgerufen, bei der Brandbekämpfung Hilfe zu leisten.

Die Deudesfelder werden Preußen

Um 1794 wurde das kurtrierische Amt Manderscheid aufgelöst, auch das Dorf Deudesfeld kam unter französische Besatzungsmacht und gehörte nunmehr zum Kanton und Mairie Manderscheid.1815 wurde der Kreis Daun in der sogenannten Rheinprovinz im Staate Preußen gebildet. Deudesfeld kam erst 1 Jahr später (1816), im Zuge von Umgemeindungen, vom Kreise Wittlich zum Kreis Daun. Bereits im Mai 1816 nahm die Königliche Regierung zu Trier einen Brand mit 4 Toten im Kreise Ottweiler (Saar) zum Anlass darauf hinzuweisen, dass Flachs und Hanf nicht bei offenem Feuer in der Stube oder bei offenem Licht verarbeitet -werden dürften. Und so führt die Königliche Regierung weiter aus:"An vielen Orten fehlt das unentbehrlichste Löschgerät ganz oder teilweise, - an eine zweckmäßige Ordnung beim Löschen ist nur in den Städten gedacht worden." Die Bürgermeister der Ämter wurden aufgefordert, unverzüglich eine Aufstellung aller vorhandenen örtlichen Löschgeräte in der Landratur vorzulegen.

Eine weitere Verordnung vom 21.09.1816 ist nachfolgend abgedruckt:

Diese Verordnung Nr. 249 hätten die Deudesfelder wohl 72 Jahre später besser beachten müssen, um eine Brandkatastrophe zu vermeiden. Aber davon später. Mit einer weiteren Verordnung vom 02.04.1818 wurde jeder Bürger, der sich neu ansiedelte oder heiratete verpflichtet, der Gemeinde einen Löscheimer zu stellen. Immer wieder rief die Königliche Regierung in Trier auf, Vorkehrungen gegen Feuersbrünste zu treffen und notwendige Löschgerätschaften in Ordnung zu bringen und bereitzuhalten. Wie sahen damals die Löschgerätschaften aus?

Leider gibt es in den Archiven keine Unterlagen über die Löschgeräte in Deudesfeld. Dennoch dürfte zum Vergleich ein Blick in die frühere Bürgermeisterei Sarmersbach ein beredtes Zeugnis ablegen. Im Ort Kradenbach gab es eine Handspritze, eine Leiter, 2 Haken und 11 Eimer. In Neichen verfügte man ebenfalls über eine Handspritze, 3 Leitern, 3 Haken und 5 ganzen sowie 5 reparaturbedürftigen Eimern. Nicht viel anders wird es auch in den Hinterbüschgemeinden gewesen sein.

1828 wurde durch Verordnung untersagt, den Löschmannschaften alkoholische Getränke zu verabreichen. Am 13.06.1837 erließ die Königliche Regierung in Trier für den Regierungsbezirk Trier eine 12-seitige Feuerordnung, die sowohl bauliche Veränderungen bei Neubauten und Umbauten vorschrieb, als auch Anleitungen gab wie der Brand bekämpft und die Löschmannschaften alarmiert und entsprechend eingeteilt werden sollten. 1840 wurde bei 1 bis 5 Taler Strafe das Schießen mit Feuergewehren, das Abbrennen von Feuerwerkskörpern in einer Entfernung von weniger als 200 m vom Ort entfernt untersagt. Bereits 1842 sah sich die Regierung zu Trier erneut gezwungen, auf die Bestimmungen der Bezirksfeuerordnung eindringlich hinzuweisen. 1853 wurden baupolizeiliche Vorschriften zur Ergänzung der Feuerordnung, insbesondere zur Errichtung von Schornsteinen, erlassen. Weitere Verordnungen, die letztlich den gleichen Inhalt hatten, folgten.

Papier ist bekanntlich geduldig, die Bürgermeister und Landräte waren meist weit entfernt, so dass die Vorschriften kaum eingehalten und beachtet wurden. Vielfach war es auch die Armut der Bürger und Gemeinden, die letztlich Feuerschutzmaßnahmen und die Anschaffung einer Feuerspritze verhinderte.

Brände in Deudesfeld und Umgebung

Auch in Deudesfeld wird es wohl häufiger im 17./18. Jahrhundert gebrannt haben; Nachweise konnten bisher nicht geführt werden. Am 04.02.184o berichtete Bürgermeister Weber von der Bürgermeisterei Weidenbach über einen Brand der Binsenmühle am 23.01.1840. Die gesamte Mühle einschließlich des Wohnhauses wurde ein Raub der Flammen. Aus der Provinzial-Feuerversicherung erhielt der Binsenmüller Peter Zaums eine Entschädigung von 328 Taler 15 Silbergroschen und 3 Pfennig. Am 27.01.1845 wurde erneut ein Nebengebäude der Binsenmühle durch Feuer vernichtet, glücklicherweise bestand auch hier eine Brandversicherung.

Bei diesen Bränden werden wohl Männer aus Deudesfeld, alarmiert durch die Feuerglocke, herbeigeeilt sein, um Hab und Gut zu retten und zu versuchen, den Brand einzudämmen. Die Binsenmühle, politisch zwar zur Gemeinde Schutz gehörend, ist viel schneller von Deudesfeld aus erreichbar als von Schutz. 1867 entstand eine Feuersbrunst im Ort, bei der 3 Wohnhäuser in der Mitte des Dorfes vernichtet wurden. Einzelheiten sind nicht bekannt.

Halb Deudesfeld brennt

Am 12.09.1888 wurde der südwestliche Teil des Ortes mit Wohn- und Ökonomiegebäuden durch einen Brand in Schutt und Asche gelegt. Es war gegen 16.30 Uhr, als vor der Scheune des Nikolaus Bender (in der heutigen Blumengasse) zum Trocknen ausgelegter Flachs brannte. Nachbarn versuchten das Feuer zu bekämpfen, es hatte aber durch einen Ostwind angefacht, bereits auf die Scheune übergegriffen. Kurz darauf erschollen die Rufe "Feuer, Feuer! Es brennt, es brennt!" Die Brandglocke rief die Bewohner vom Feld, denn es war Erntezeit und die meisten Männer und Frauen waren bei der Getreideernte. Der heftige Wind ließ den Männern und Frauen, die, die Feuerspritze herbeigeschafft hatten, kaum eine Chance der Brandbekämpfung, zumal alle durcheinander rannten und von Ordnung keine Rede sein konnte. Jeder versuchte sein eigenes Hab und Gut zu retten. Rasend griff das Feuer durch Funkenflug auf die strohgedeckten Dächer der Häuser, der Ställe und Scheunen über. Rauch und Feuerschein und die Brandglocke hatten in kurzer Zeit auch den Nachbarorten das Unheil verkündet. Aus Meisburg und Weidenbach, aus Bettenfeld, Meerfeld und Bleckhausen eilten Männer mit den pferdebespannten Feuerspritzen herbei, um noch zu retten, was zu retten war. Die 6 Feuerspritzen, die im Einsatz waren, mussten sich darauf beschränken, ein weiteres Ausbreiten des Feuers zu verhindern. Die Löscharbeiten wurden noch dadurch erschwert, dass der Gemeindebrunnen "außerhalb des Dorfes" lag und ein Brandweiher zwar vorhanden, vermutlich aber ohne Wasser war.

Als Bürgermeister Schramm von der Bürgermeisterei Niederstadtfeld am späten Abend Bilanz zog, waren 21 Wohnhäuser, 24 Stallungen und Scheunen eingeäschert worden. 3 junge Ochsen, 1 Füllen, 1 Schwein und eine Vielzahl von Hühnern konnten nicht mehr rechtzeitig gerettet werden. Gott sei Dank kamen Menschen nicht zu Schaden.Die Familien Nikolaus Bender, Nikolaus Weiler, Heinrich Weiler Wwe., Jakob Müller, Gottfried Wirtz, Bernhard Bill, Jakob Weiler, Leonhard Burbach, Philipp Stolz, Wwe. Höhnen, Nikolaus Theiß, Wilhelm Bill, Matthias Bender Wwe., Nikolaus Zeyen, Matthias Weiler-Sungen, Matthias Erdorf, Nikolaus Müller, Friedrich-Wilhelm Weiter, Jakob Sungen, Matthias Thullen, Johann-Peter Weiter, Johann-Matthias Weiler, Nikolaus Meerfeld und Jakob Kleifgen hatten ihr Wohnhaus, ihre Scheune oder Stallung verloren, die meisten ihr gesamtes Hab und Gut. Nicht nur die Gebäude, ein Großteil der Einrichtung, auch das gerade erst geerntete Heu, der Roggen, war ein Raub des Feuers geworden. 119 Personen hatten am Abend des 12.09. 1888 kein Obdach mehr, hatten meist nicht mehr als das Leben retten können.

Zum Glück waren alle Gebäude bei der Rheinischen Provinzial-Feuerversicherungssozietät versichert, wogegen für Mobilar und Futtervorräte keine Versicherung Ersatz leistete. Bürgermeister Schramm aus Niederstadtfeld schreibt in einem Bericht an den Landrat Graf von Brühl: "Die Not ist groß und es wird die öffentliche Wohltätigkeit in Anspruch genommen werden müssen." Die Ortsvorsteher von Weidenbach, Meerfeld und Bettenfeld, die alle auf der Brandstätte anwesend waren, sagten sofort zu, in ihren Gemeinden für die Opfer der Brandkatastrophe zu sammeln. Wie war der Brand entstanden? Vermutlich durch ein Kleinkind, letztlich konnte es nicht geklärt werden. Doch hören wir einige Zeugen:
"Über die Entstehung des gestern Nachmittag in Deudesfeld ausgebrochenen Brandes wurde vernommen: 1. die Ehefrau Barbara Kleifgen, geb. Müller, 36 Jahre alt, 2. Gertrud Weiler, ledigen Standes, 23 Jahre alt, beide zu Deudesfeld wohnhaft. Dieselben erklären: Gestern Nachmittag gegen 1/2 fünf Uhr bemerkten wir, dass vor der Scheune des Nikolaus Bender ein Haufen Flachs brannte. Wir liefen beide zugleich hin und versuchten das Feuer zu löschen, jedoch hatte die Flamme das Dach bereits ergriffen und da weitere Hilfe nicht gleich zur Stelle war, verbreitete sich das Feuer schnell und ergriff die Nachbargebäude. Bei dem Flachshaufen bemerkten wir das etwa 3-jährige Kind, ein Knabe des Ackerers Nikolaus Weiler, von hier. Ob das Kind vielleicht das Feuer veranlasst hat, können wir nicht sagen, da wir davon nichts bemerkt haben."

"Weiter wurde vernommen der Ackerer Nikolaus Bender, 54 Jahre, zu Deudesfeld wohnhaft: Derselbe erklärt: Ich hatte vorgestern Nachmittag in meiner Scheune Flachs, welcher mir gehörte, dreschen lassen und denselben nach dem Ausdrusch vor meiner Scheune auf einen Haufen legen lassen. Gestern Nachmittag gegen 1/2 fünf Uhr war ich am Kaffeetrinken, hörte Feuerlärm und als ich draußen anlangte, stand meine Scheune in Flammen. Das Feuer verbreitete sich so rasch, dass ich kaum mein Vieh aus dem Stalle retten konnte. Wie das Feuer entstanden ist, weiß ich nicht." "Der Nikolaus Weiler, Ackerer, 52 Jahre alt, erklärte, er sei beim Ausbruch des Brandes auf dem Felde beschäftigt gewesen und er wisse nicht, wo sein etwas über 2 Jahre altes Söhnchen sich damals befunden habe."

Auch die Trierische Landeszeitung vom 15.09.1888 berichtete folgendes:

"Deudesfeld 13.09.
Gestern brach hier Feuer aus, welches durch Kinder verursacht worden war. Es verbrannten 25 Wohnhäuser, nebst Scheunen und Stallungen, 2 Ochsen und ein Füllen. Weiter soll auch eins der Kinder, durch welche das Feuer verursacht wurde, seinen Tod in den Flammen gefunden haben. (Anmerkung: was nicht zutraf). Die Not ist jetzt bei den Betroffenen um so größer, als ihnen sämtliches Futter und auch die Winterfrüchte mit verbrannten. Die Wohnhäuser und Scheunen sind bei den meisten sehr niedrig, Früchte gar nicht versichert gewesen. Die Unglücklichen sind daher auf die Mildtätigkeit der Menschen angewiesen."

Landrat Graf von Brühl versuchte, für die Geschädigten öffentliche und private Hilfe zu erlangen. Und so konnte die Trierische Landeszeitung am 27.09.1888 berichten, dass die Gemeinden Meisburg, Weidenbach, Salm und Wallenborn wie auch die Gemeinde Meerfeld erhebliche Spenden für die Deudesfelder gesammelt hätten.
In der Schulchronik wurde vermerkt, dass bald wieder mit dem Aufbau der Häuser und Scheunen an alter Stelle begonnen worden sei; anstelle von Strohdächern erhielten die Gebäude Ziegel- oder Schieferdächer.

1896 brannte es erneut in Deudesfeld. Das Ausmaß der Schäden ist nicht bekannt.
Am 02.06.1903 schlug ein Blitz in das Haus der Wwe. Schwickerath ein und tötete 4 Stück Vieh. Das Haus der Wwe. Schwickerath und Scheune und Stall des Nachbarn Josef Meerfeld brannten bis auf die Grundmauern nieder.
Die Eifeler Volkszeitung vom 06.06.1903 berichtete über schwere Gewitter in der Eifel und über das Brandunglück in Deudesfeld:
"Schlimmer wie hier -waren die Wirkungen eines Blitzschlages an demselben Tage in Deudesfeld im Kreise Daun. Durch denselben geriet eine Scheune in Brand und das Feuer verbreitete sich so schnell, dass außer dieser noch 3 Häuser und 1 Stall abbrannten. In diesem verbrannten 2 Kühe und ein Kuhrind, während noch 2 Kühe durch Blitzschlag getötet wurden. Leider waren bei dieser plötzlichen Feuersbrunst die Löschvorrichtungen ungenügend, in dem die herangebrachten Feuerspritzen in schlechtem Zustande waren, sonst wäre es gelungen, wenigstens noch das Vieh zu retten. Möchten alle Ortschaften an diesem Unglück lernen, wie wichtig es ist, das die vorhandenen Löschgeräte allzeit in gutem Stand gehalten werden."

Auch der Trierischen Landeszeitung vom 08.06.1903 ist der Brand in Deudesfeld folgenden Bericht wert:
"Aus der Eifel, 05.06.
Das Brandunglück in Deudesfeld gibt Anlass zur Betrachtung des ländlichen Feuerlöschwesens. Mit der Hilfeleistung bei diesem Brand war es schlecht bestellt. Die ganz neue Ortspritze ging nicht, weil - man nicht damit umzugehen verstand. Die Meerfelder Spritze ging auch nicht, -weil solche Jahr und Jahr nicht mehr nachgesehen -war. Erst die stramme Feuerwehr Bleckhausen brachte Ordnung und sorgte auf für Ingangsetzung der Spritzen. Es brauchte ja nun ja nicht gerade eine organisierte Feuerwehr in jedem Ort zu bestehen, aber man kann doch verlangen, dass wenigstens die Spritzen brauchbar sind und einige zuverlässige Leute damit umzugehen verstehen. Das Feuerlöschwesen liegt in der Eifel teilweise noch sehr im Argen, weil die Behörden nicht strenge genug sind und die Dörfer erst durch Unglücke aufgerüttelt werden müssen."

Dieses Brandunglück und die herbe Kritik in der Presse veranlassten den Landrat, den Bürgermeister des Amtes Niederstadtfeld, Schramm, um eine ausführliche Stellungnahme zu bitten. Der teilte mit, dass die Feuerlöschgeräte bei der Feuerschau am 07.04. des gleichen Jahres sich in gutem Zustand befunden hätten und auch die Spritze neu sei. Durch die Hast auf der Brandstelle sei die Spritze falsch bedient worden, so dass sie erst in Gang gebracht worden sei, als die Bleckhausender Feuerwehr erschien. Dies dürfte mit ausschlaggebend gewesen sein, dass auch in Deudesfeld bald eine Feuerwehr ins Leben gerufen wurde. Man hatte erkannt, dass nicht nur Löschgeräte notwendig waren, sondern auch Männer, die diese Löschgeräte richtig und fachgerecht einsetzen können.

Die Freiwillige Feuerwehr Deudesfeld wird gegründet

Die öffentliche Kritik in den Zeitungen ließen Landrat von Ehrenberg wahrscheinlich keine Ruhe. Er beauftragte Bürgermeister Schramm in Niederstadtfeld, sich um die Bildung von Feuerwehren in seinen Gemeinden zu bemühen. Wie in so vielen Fällen, wenn ein Verein unter Zwang gebildet werden soll, gibt es Probleme. So wahrscheinlich auch in Deudesfeld, als der Amtbürgermeister das Problem im Ortsgemeinderat vortrug. Auch in einem Lied aus dem Jahre 1911, das Lehrer Johnen verfasste, ging er auf die zwangsweise Bildung der Feuerwehr ein:
"Aus dem Kreis der wackren Jungen,
hat man, wenn auch zwar gezwungen,
gebildet eine Feuerwehr,
seit dem brennt es gar nicht mehr,
Gleich ob gezwungen oder durch Einsicht 1906 war es soweit. In Deudesfeld wurde die Freiwillige Feuerwehr ins Leben gerufen. Erster Wehrführer wurde Nikolaus Stolz.

Beim 60-jährigen Feuerwehrfest am 13. und 14.08.1966 lebten noch die Gründungsmitglieder Leonhard Erdorf und Leonhard Zimmer.
Am 29.03.1909 beschloss der Gemeinderat eine Feuerlöschordnung, Einzelheiten sind aus dem Gemeinderatsbeschluss nicht zu ersehen. Eine wichtige Entscheidung fällte der Ortsgemeinderat 1907, als er den Bau einer Wasserleitung beschloss. Der Entwurf des Ingenieurbüros Krekeler in Prüm wurde gebilligt, die Kosten beliefen sich auf 20.000 RM. Aber erst 1910, nachdem alle finanziellen Voraussetzungen geschaffen waren, wurde der Antrag für die Installation der Wasserleitung der Fa. Friedrich Träger aus Köln übertragen. Nun war es wesentlich leichter, Brände zu bekämpfen, denn jetzt konnte an fast jeder Stelle des Ortes Wasser aus der Wasserleitung entnommen werden. 1921 bekam Deudesfeld eine Elektrizitätsversorgung und eine Straßenbeleuchtung. Auch die Versorgung mit Strom diente der Feuersicherheit, denn das Petroleumlicht und offene Lichtquellen, die häufig Brandursache waren, entfielen.

1929 fand in Deudesfeld erstmals der Kreisfeuerwehrtag statt.

Ende der 20-er Jahre wurde neben dem Dorfbrunnen an der Hauptstraße (zwischen dem Anwesen der Volksbank und der Schreinerei Weiler) ein Steigerturm errichtet, damit die Feuerwehr ihre Übungen absolvieren konnte.
Dieser Steigerturm wurde erst kurz vor Kriegsbeginn abgerissen. 1936 wurde die Handdruckspritze durch eine TS 8 der Fa. Hönig und Pflug ersetzt. Auch dadurch waren die Möglichkeiten des Feuerwehreinsatzes erheblich günstiger. Die kleine Feuerwehr Deudesfeld war eine der wenigen Feuerwehren, die in den Jahren 1937/38 über ein Feuerwehrfahrzeug verfügte, einen Pkw der Marke Adler, der als Transportfahrzeug für die TS 8 diente. 6 Personen hatten im Pkw Platz.
Am 07.05.1943 musste die Deudesfelder Feuerwehr zu einem Brand des Sägewerks Jakob Schüller auf der Binsenmühle ausrücken. Das Sägewerk wurde vollständig zerstört, die Feuerwehren und Helfer konnten mit ihrem Einsatz bewirken, dass das angrenzende Wohn- und Stallgebäude des Georg Schüller vom Brand verschont blieb. Ein Glück, dass das Wasser dem vorbeifließenden Bach entnommen werden konnte, denn in den Sommermonaten des Jahres 1943 herrschte großer Wassermangel und nur die tieferliegenden Häuser Deudesfelds hatten noch Wasser. Am Dorfbrunnen war ein kleines Staubecken angelegt worden, um für den Notfall Wasser entnehmen zu können. Der Chronist der Schulchronik berichtete: "Ein Glück, dass in dieser Zeit keine Feuersbrunst im Orte ausbrach.
Viele Feuerwehrmänner aus Deudesfeld mussten bald in den Krieg ziehen. Die wenigen noch im Dorf verbliebenen Männer, insbesondere die alten Feuerwehrmitglieder, übernahmen jetzt den Feuerschutz. Bei Bombenabwürfen und Bränden in Daun und im heutigen Dauner Stadtteil Neunkirchen waren auch die Deudesfelder Feuerwehrmänner im Einsatz. Viele Feuerwehrkameraden kehrten aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück.

1946 bestand die Feuerwehrausrüstung von Deudesfeld aus der Tragkraftspritze von 1936, 3 Standrohren, 4 Strahlrohren, einem Schlauchwagen, einer Leiter und einigen Metern Schlauch. Auch die Handdruckspritze von 19o3 war noch vorhanden.
1955 erhielt die Deudesfelder Feuerwehr dann erneut ein Fahrzeug, ein LF 8 der Marke Opel Blitz mit Vorbauspritze, ein für damalige Verhältnisse hochtechnisches Gerät, das im Übrigen auch 1988 noch bei der Freiwilligen Feuerwehr Darscheid mit 33 Jahren seinen Dienst versieht. Nun folgend einige Aufnahmen dieses Fahrzeuges aus den Anfangsjahren in Deudesfeld:

Übung im Nachbarort Meerfeld mit Opel Blitz, "Hei kun de Deisselder mat da stätischa Hup"

1956 fand in Deudesfeld zum 2. Mal ein Kreisfeuerwehrtag statt.

Einsätze in den 6o/7o-er Jahren

Am 12.10.1958 wurde die Feuerwehr Deudesfeld mit ihrem Einsatzfahrzeug nach Meisburg zur Siedlung des Johann Bender im Distrikt Rackenbach gerufen, als ein Blitzschlag in die Stallung einschlug, zum Glück aber nicht zündete. 5 Kühe wurden durch den Blitzschlag getötet.
Das Jahr 1959 war ein gutes Weinjahr, was darauf hinweist, dass der Sommer sehr heiß -war und damit die Feuergefahr noch gesteigert wurde. Zunächst aber musste die Feuerwehr am 01.05.1959 zur Thornermühle ausrücken, als eine Unwetterkatastrophe den kleinen Bach in einen reißenden Fluss verwandelte und Stall und Scheune unter Wasser standen. Am 13.07. desgleichen Jahres wurde ein Waldbrand im Staatswald bei Salm erfolgreich bekämpft. Am 04.l0.1959 brannte es im Nachbarort Meerfeld, Stall und Scheune des Landwirts Bernhard Becker fielen dem Feuer zum Opfer. Der Brand brach aus, als sich die meisten Bewohner zum Sonntagsgottesdienst in der Kirche befanden. Zum Glück konnte das Vieh gerettet werden. Ein weiterer großer Einsatz erfolgte am 13.lo.1975, als bei der Spedition Meerfeld in Weidenbach ein Großbrand ausgebrochen war.
Am 02.02.1961 erfolgte erneut ein Einsatz bei der Thornermühle, als Hochwasser Wohnhaus, Scheune und Stallungen bedrohten. Am 21.06.1961 rückte die Feuerwehr zu einem Brand nach Desserath aus. Ein Schuppen des Landwirts Nikolaus Schröder, gefüllt mit Stroh, war in Brand geraten. Noch am gleichen Tage brannte das Ökonomiegebäude des Landwirts Anton Becker in Deudesfeld. Das Vieh konnte gerettet werden, Stroh und Heuvorräte verbrannten.
Am 23.12.1962 war ein auf dem Flugplatz Bitburg stationiertes amerikanisches Militärflugzeug abgestürzt. Die Freiwillige Feuerwehr Deudesfeld rückte aus, um den vermissten Piloten zu suchen. Außerdem half die Wehr bei den Absperrungsmaßnahmen an der Absturzstelle. Weitere kleinere Einsätze folgten. Am 23.06.1970 rückt die Wehr zu einem Brand des landwirtschaftlichen Anwesens Werner Schmitz nach Bleckhausen aus. Durch Blitzschlag standen Wohnhaus, Stall und Scheune in Flammen und konnten nur unter Einsatz der Wehren von Bleckhausen, Üdersdorf und Manderscheid eingedämmt werden. Weitere Einsätze 1970 in Tettscheid und Oberstadtfeld zeigten, dass die Feuerwehr Deudesfeld über einen guten Ausbildungs- und Gerätestand verfügte. Weitere große Einsätze folgten am 09.07.1976 bei einem großen Waldbrand bei Meisburg, 1984 als das Hotel Pappelhof in Weidenbach abbrannte und am 17.l0.1987 beim Brand des landwirtschaftlichen Anwesens (Siedlung) Müller in Schutz.

Die Deudesfelder Feuerwehr 1988

Deudesfeld ist Stützpunktfeuerwehr und betreut die Gemeinden Bleckhausen, Meisburg, Schutz und Weidenbach, deren Feuerwehren nur für den ersten Löschangriff ausgestattet sind. Ferner ist Deudesfeld Standort des Tanklöschfahrzeuges für den Bereich des ehemaligen Amtes Niederstadtfeld, wegen der Waldbrandgefahr und der Vielzahl der Aussiedlergehöfte in diesem Bereich.

1978 erhielt Deudesfeld ein Tanklöschfahrzeug 8, das den Opel Blitz ersetzte. Die Wehr hat daneben ein Tragkraftspritzenfahrzeug, das im Mai 1988 ausgeliefert wurde. Ein Kommandowagen (Jeep) vervollständigt die Ausrüstung. Die Wehr verfügt über Atemschutzgeräte, eine Schaumanlage und eine Sirenensteuerungsanlage, ist ausgestattet mit Funkmeldeempfängern und Funk in beiden Fahrzeugen. Außerdem verfugt die Wehr über die notwendigen Gerätschaften zur Bekämpfung eines Waldbrandes.

Heute zahlt die Feuerwehr 27 Aktive mit einem guten Ausbildungsstand.
1975 konnte die Freiwillige Feuerwehr ihr neues Feuerwehrgerätehaus beziehen. Es war aus dem ehemaligen alten Schulhaus entstanden. Besonders hervorzuheben ist, dass viele Arbeiten am Gebäude in unentgeltlichem Arbeitseinsatz der Aktiven durchgeführt wurden.

Am 22. und 23.08.1981 feierte die Feuerwehr ihr 75-jähriges Bestehen, gleichzeitig ihr 10-jähriges Gästefest und richtete den Verbandsgemeindefeuerwehrtag aus.

Die Feuerwehr als Mädchen für alles

Auch die Deudesfelder Feuerwehr versieht nicht nur Aufgaben des Brand- und Katastrophenschutzes, sie ist darüber hinaus als örtlicher Verein vielfältig tätig. Die jährlich stattfindenden Heimat- und Gästefeste, die von der Feuerwehr ausgerichtet werden, erfreuen sich sowohl bei den Einheimischen aber auch bei den Feriengästen großen Zuspruchs. Diese Feuerwehr- und Gästefeste dienten gleichzeitig der Pflege der Kameradschaft mit den Nachbarwehren. Die Wasserspiel-Wettkämpfe der benachbarten Wehren begeisterten die stets zahlreichen Zuschauer. Ob bei einer Primiz, bei Anstreicherarbeiten zur Aktion "Unser Dorf soll schöner werden", bei allen kirchlichen und dörflichen Festen sind die Männer der Wehr stets dabei.
1985 wurde ein Generationswechsel in der Führung der Feuerwehr vollzogen. Neuer Wehrführer wurde Dieter Eckstein, sein Stellvertreter ist Helmut Weiler. Die bisherigen Wehrführer Hans Sieberger und Stellvertreter Josef Pauly wurden 1985 durch den 1.Beigeordneten der Verbandsgemeinde Daun, Rudi Willems, verabschiedet.

Von Konrad Eckstein bis Günter Bill

Aus der Freiwilligen Feuerwehr Deudesfeld gingen 2 Amtwehrführer, wie sie früher hießen, hervor.
Konrad Eckstein trat 1919 in die Freiwillige Feuerwehr ein und wurde in den 1930er Jahren zum Amtbrandmeister des Amtes Niederstadtfeld bestellt. Während des Krieges bekleidete er auch das Amt des stellvertretenden Kreisbrandmeisters, in einer Zeit, als die Feuerwehren des "Hinterbüsch's" häufig in der Kreisstadt Daun eingesetzt waren. Konrad Eckstein wurde neben dem "Goldenen Feuerwehrehrenzeichen" 1976 durch den damaligen Landrat Urbanus mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Landrat Urbanus würdigte den vorbildlichen Gemeinschaftsgeist von Konrad Eckstein, der mutig und opferbereit für die Allgemeinheit gewirkt und über 4 Jahrzehnte den Wahlspruch der Feuerwehren in anspruchslosem Wirken in die Tat umgesetzt habe. 1962 legte Konrad Eckstein aus Altersgründen sein Amt als Amtbrandmeister nieder.
Nachdem Matthias Dichter etwa 2 Jahre dieses Ehrenamt innehatte, wurde Günter Bill, seit 1952 in der Freiwilligen Feuerwehr Deudesfeld tätig, am 27.11.1964 zum Amtwehrführer des Amtes Niederstadtfeld bestellt. Er, der in die Feuerwehr kam, weil man einen Kraftfahrer für das Feuerwehrfahrzeug brauchte, kannte das "Geschäft des Amtbrandmeisters" schon aus zahlreichen Besprechungen und Sitzungen auf Kreisebene. Konrad Eckstein wollte im gehobenen Alter nicht mehr selbst fahren und so fuhr Günter Bill mit dem Einsatzfahrzeug und dem Amtbrandmeister zu den verschiedenen Sitzungen auf Kreisebene. Nach Auflösung der Verbandsgemeinde Niederstadtfeld und dem Zusammenschluss mit den Verbandsgemeinden Daun und Gillenfeld, wurde Günter Bill zum stellvertretenden Wehrleiter der Verbandsgemeinde Daun (mit Zuständigkeit für den Bereich der ehemaligen Verbandsgemeinde Niederstadtfeld) bestellt. 1989 kann er auf eine 25-jährige Dienstzeit im Ehrenamt zurückblicken.

Aktualisiert ( Sonntag, den 22. August 2010 um 12:11 Uhr )  

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